Wesentlicher Ausgangspunkt der Analyse ist eine Einschätzung der langfristigen Entwicklung der binnenländischen Güterverkehrsleistungen (Binnenschiff, Eisenbahn, LKW). Diese Einschätzungen stützen sich auf Prognosen, die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellt wurden: "Bis zum Jahre 2050 wird die gesamte binnenländische Güterverkehrsleistung um +113 % ansteigen, sich mehr als verdoppeln. Der grenzüberschreitende Güterverkehr wird sich mit + 163 % und der Transitverkehr mit + 189 % nahezu verdreifachen. Deutschland ist nach der Wiedervereinigung zum verkehrsgeographischen Zentrum Europas geworden."
Ausgehend von dieser Prognose wird festgestellt:"Die Verdopplung der Güterströme auf der Straße wird zwangsläufig zu massiven, regional unkontrollierbaren Verhältnissen im Straßenverkehr führen." ... "Auch im Schienengüterverkehr sind auf wichtigen Magistralen Engpässe zu erwarten, wenn ein Anstieg der Güterverkehrsleistung auf der Schiene von +132 % bis 2050 verkraftet werden soll".
In der Analyse wird dargelegt, dass das Expansionspotential der Güterbahn vor allem im Einzelwagen- und kombinierten Verkehr liegt:"Die Bahn hat sich vor allem auf den Ganzzugverkehr und z. T. auf den kombinierten Verkehr ausgerichtet. Die weitere Zunahme des Ganzzugverkehrs wird jedoch bald an Grenzen stoßen und der kombinierte Verkehr ist gegenüber dem LKW-Verkehr überwiegend noch zu kostenintensiv und daher zu teuer. Dagegen erweitert sich der Markt für den Einzelwagenverkehr von Jahr zu Jahr."
Als Königsweg zur Bewältigung der zukünftigen Entwicklung wird die Erhöhung der Kapazität der Güterbahn beschrieben:
"Hierzu bedarf es:
Das bisher in Europa seit 1861 übliche manuelle Kuppeln mit Schraubkupplungen "...ist eine zeitaufwendige, körperlich schwere und gefahrvolle Arbeit ..."
Es ist nicht vorstellbar, dass heute noch so ein Arbeitsplatz genehmigt würde, bei dem der Mensch zwischen sich bewegende Fahrzeuge treten muss und dabei nur in einem kleinen Raum vor dem Verunfallen einigermaßen geschützt ist.
Diese Situation - die zeitaufwendigen Kuppelarbeiten und das hohe Gefahrenpotential für das Rangierpersonal - hat dazu geführt, dass mittels Ganzzügen die Zahl der Kuppelfälle reduziert wurde - mit den bekannten Folgen für die Flexibilität des Transportprozesse.
Weiterhin begrenzt die technisch mögliche Festigkeit der Schraubenkupplung die maximale Zugkraft und damit die mögliche Zuglänge: "Selbst unter günstigen Bedingungen können mit der manuellen Schraubenkupplung nur Güterzüge bis zu ca. 700 m Lange gefahren werden, mit der automatischen Mittelpufferkupplung sind hingegen bis zu 1400 m lange Züge möglich."Es erscheint unverständlich, dass die europäischen Bahnen noch immer zögern, mit der Einführung der automatischen Mittelpufferkupplung zu beginnen - wird doch durch deren Einsatz ein ganzer Komplex von Problemen gelöst:
Nach den vom Autor der Studie durchgeführten Berechnungen erhöht sich durch die Anwendung der automatischen Kupplung die Transportleistungsfähigkeit der Güterbahn
Nach Abschluss der Umrüstphase errechnen sich für die Nutzungsdauer der automatischen Kupplung von 30 Jahren betriebswirtschaftliche Nutzwerte von mindestens 586 Mio EUR jährlich
Zu den betriebswirtschaftlichen Nutzen addieren sich die volkswirtschaftlichen Nutzenskomsponenten - dazu wird in der Analyse ausgeführt:
Der volkswirtschaftliche Nutzen tritt vor dann ein, wenn es infolge steigender Transportmengen notwendig wird, große Güterströme von der Straße auf die Schiene umzuleiten und der Neubau von Straßen an ökologische und ökonomische Grenzen stößt.
Die dadurch jährlich anfallenden Kostenreduzierungen durch die Verringerung externer Effekte (CO2-Emission etc.) sind gewaltig, insbesondere dann, wenn perspektifisch die Elektro-Energieerzeugung auf alternative Quellen - und später auf Kernfusion - umgestellt ist.
Die Kapazitätserweiterung infolge höherer Systemgeschwindigkeit und längerer Züge führt zu volkswirtschaftlichen Nutzen von jährlich 2.150 Mio EUR. ... Größter volkswirtschaftlicher Nutzenblock sind die Einsparungen an Energie (1.050 Mio EUR pro Jahr).
Diesen Ergebnissen ist eigentlich nichts hinzuzufügen - das menschliche Leid, welches durch die häufigen Unfälle hervorgerufen wird, kann naturgemäß in einer solchen Analyse nicht quantifiziert werden, allein dass sollte Grund genug sein, sich von der veralteten Technologie 'Schraubenkupplung' zu trennen.