Schon bald nach der Inbetriebnahme von Eisenbahnstrecken wurde nach Lösungen gesucht, die Verbindung der Fahrzeuge untereinander durch Kombinationen von Puffern mit
Kuppeleinrichtungen zu erleichtern und damit die Arbeit des Rangierens dadurch ungefährlicher zu machen, dass dieser nicht mehr zwischen die Fahrzeuge zu treten braucht.
Bereits seit 1848 wurde in den USA durch Anwendung des 'Millerschen Zughakens', eine wesentliche Verbesserung erreicht
Ab 1877 wurde dieser Zughaken durch die Entwicklung der Kuppelvorrichtung "Janney" abgelöst. Am 2. Februar 1893 erließ die Regierung der USA ein Gesetz, welches besagte, dass diese Kupplung ab 1898 an allen Eisenbahnfahrzeugen zu verwenden sei. Später wurde jedoch eine Terminverlängerung bis 1.8.1900 gebilligt.
Der Druck auf die Eisenbahnverwaltungen wurde nochmals dadurch erhöht, indem in einem Gesetz vom 2.3.1903 festgelegt wurde, dass es ab 1.9.1903 endgültig verboten ist, Fahrzeuge ohne automatische Kupplung zum Einsatz zu bringen.
Kennzeichnend für Europa war am Anfang der Entwicklung die große Zahl an unterschiedlichen Puffer/Zughakensystemen. Erst in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts setzten - ausgehend von den Entwicklungen in den USA - auch in Europa Aktivitäten bezüglich einer automatischen Kupplung ein.
So wurde 1873 vom Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen (VDE) ein Preisausschreiben zur Ermittlung eines geeigneten Kupplungssystems veranstaltet. Fehlende Koordinierung von technischen Forderungen zwischen den Eisenbahnverwaltungen Europas und die Tatsache, dass man keine wirkliche technische Notwendigkeit zur Ablösung des alten Zughaken/Puffer - Systems sah, hatte zur Folge, dass man über eine Bewertung der Vorschläge nicht hinaus kam.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Frage einer automatischen Kupplung in Europa nochmals aufgegriffen und die Durchführung von Versuchen mit der amerikanischen Bauart "Janney" beschlossen. Aber auch diese Initiative führte zu keinen Beschlüssen zur Einführung einer automatischen Kupplung.
So konnte sich in Europa die Verwendung von automatischen Kupplungen nur inselartig dort durchsetzten, wo besondere Anforderungen und eine betriebliche Abgrenzung zum allgemeinen Eisenbahnverkehr vorlag - z. B. ab 1912 für Vorortzüge in Frankreich und Belgien mit der Boirault-Kupplung und für den S-Bahn Verkehr in Deutschland mit der Scharfenberg-Kupplung.
Es wurde jedoch ständig an neuen Lösungen für eine automatische Kupplung gearbeitet. So wurde z. B. 1916 in den USA die gegenüber der Janney-Kupplung stark vereinfachte Willison-Kupplung vorgestellt. Diese konnte sich aber aufgrund der inzwischen allgemein eingeführten Janney-Lösung nicht mehr durchsetzen und fand hauptsächlich Eingang für Inselbetrieb bei Gruben- und Industriebahnen.
Dieser neue Kupplungstyp wurde 1935 nach zehnjähriger Vorbereitungsarbeit mit zahlreichen Verbesserungen bei den sowjetischen Bahnen mit der Bezeichnung SA3 eingeführt. Bedingt durch die Kriegsereignisse zog sich die endgültige Einführung bis 1949 hin.
Auch auf den übrigen Kontinenten wurde an der Einführung eine automatischen Kupplung gearbeitet.
In Japan wurde die Einführung einer automatischen Kupplung seit 1918 vorbereitet und am 17.7.1925 wurde dann nahezu schlagartig die Kupplung vom Grundtyp 'Janney' am gesamten Fahrzeugpark montiert.
Auch in Südamerika, Afrika, Australien und Asien wurde nach und nach die Einführung einer automatischen Kupplung durchgeführt, wobei sich überwiegend der Grundtyp 'Janney' durchsetzte.
Im Jahre 1922 wurde die europäische Eisenbahnvereinigung UIC gegründet und damit die Voraussetzung geschaffen auch für eine zukünftige automatische Kupplung einheitliche Forderungen zu erarbeiten. Allerdings erst 1928 wurde der Sonderausschuss 'Automatische Kupplung' gegründet, welcher die Entwicklung einer automatischen Kupplung und deren Wirtschaftlichkeit prüfen und entsprechende Merkblätter für die technischen Forderungen erstellen sollte. Schließlich konnte 1933 das UIC-Merkblatt 522 mit dem Titel "Vorläufige Bedingungen, denen eine selbsttätige Kupplung genügen muss" herausgegeben werden.
Aber schon 1935 wurden die Arbeiten bei den europäischen Eisenbahnen an der automatischen Kupplung "aus ökonomischen Gesichtspunkten" abgebrochen.
Nachdem die schlimmsten Kriegswunden in Europa verheilt waren wurde 1948 wiederum mit Untersuchen zur Einführung einer automatischen Kupplung begonnen.
Ziemlich schnell wurde klar, dass nur das Prinzip der robusten Willisonkupplung den Anforderungen des Vollbahnbetriebes gerecht werden konnte und welche auch das direkte Kuppeln mit der bereits in Europa vorhanden sowjetischen SA3-Kupplung ermöglichen würde . Darüber hinaus zeigten die russischen Erfahrungen, dass sich dieses Prinzip auch bei extremen Klimabedingungen, bei Schneeeinwirkung und bei niedrigen Temperaturen bewährt. Es realisierte aber in der bestehenden Form nur das mechanische Kuppeln, Luft- und Elektroleitungen mussten weiterhin manuell gekuppelt werden.
Die Forderung nach dem automatischen Mitkupplen von Luft- und Elektroleitungen und weitere unterschiedlichste Forderungen der europäischen Eisenbahngesellschaften führten schließlich zu einem technischen Forderungskatalog, der eine komplizierten, aber technisch machbaren Konstruktion erfordert.
Zunächst verlaufen die Entwicklungen entsprechend der damaligen Ost/West - Teilung bei der OSShD und UIC getrennt.
| 1957 | Anlässlich einer Ministerkonferenz in Peking wurde festgelegt, die Studien im Rahmen der OSShD zur Entwicklung einer automatischen Kupplung aufzunehmen. Im gleichen Jahr wurden die Entwicklungsarbeiten auf der OSShD Seite aufgenommen. |
| 1958 | Verabschiedung des Lastenheftes OSShD-Merkblatt Nr. O-522 für eine automatische Kupplung. |
| 1956 | Die UIC veranlasst die Arbeiten zur Entwicklung einer automatischen Kupplung wieder aufzunehmen |
| 1958 | Beschluss zur Bildung des ORE-Fachausschusses SVA B51, der sich mit den Fragen der automatischen Kupplung befassen sollte. |
| 1960 | Initiierung eines Preisausschreibens durch die ORE zur Schaffung einer automatischen Kupplung auf der Grundlage des bestätigten Lastenheftes |
| 1961 - gemeinsame Veranstaltung OSShD/UIC | Entsprechend des Preisausschreibens der UIC stellen 1961 zwanzig Firmen in Budapest und in Paris Funktionsmuster vor. Nach der gemeinsamen Entscheidung, dass ein Kuppeln mit der russischen SA3-Kupplung möglich sein muss, waren dann nur noch Bautzen und Knorr-Bremse München 'im Rennen'. Es zeigte sich, dass nur die sog. 'starre Kupplung' den Anforderungen einer automatischen Leitungskupplung gerecht wird - ein Kupplung also, deren Kupplungsköpfe auch vertikal unverschiebbar sind und die aus diesem Grunde zum Höhenausgleich zwischen zwei Wagen neigbar sein müssen. |
| 1962 | Abstimmung gemeinsamer technischer Bedingungen für die Entwicklung der automatischen Kupplung zwischen OSShD und UIC |
| 1963 | Bildung eines gemeinsamen Konstruktionsbüros Deutsche Reichsbahn/sowjet. Staatsbahn auf Seiten der OSShD im Waggonbau Bautzen - Einbeziehung russischer Erfahrungen beim Betrieb mit automatischen SA3-Kupplungen |
| 1963 | Bildung der 'Pushing Group' auf Seiten der UIC |
| 1964 | Bau der Versuchsanlage der VES-W Delitzsch und Beginn der Erprobungen. |
| 1965 | Bestätigung der Vorschläge der Pushing-Group zur Schaffung einer 'Synthese-Kupplung' - d.h. einer Kupplung, die durch die Synthese der besten in Ost und West bestehenden Lösungen geschaffen werden sollte. |
| 1966 |
Gründung des EMK (Entwicklungs- und Erprobungszentrum für die Automatische Mittelpufferkupplung der DR) am 01.6.1966 mit Sitz (Zentrale) in Berlin Nachgeordnet waren die Bereiche Konstruktion (Delitzsch) und Erprobung (Schlauroth) Im OSShD-Bereich Bau von 306 Versuchskupplungen und Erprobung derselben im Zugverband |
| 1967 | 1. Tagung der Technischen Arbeitsgruppe UIC (Leitung Herr Weber)/OSShD(Leitung Herr Rehnert)- Entwurf eines gemeinsamen Arbeitsprogrammes zur Entwicklung einer für Europa zwischen Ost und West angepassten 'Synthesekupplung'. Die politischen Gegensätze in Europa hatten im folgenden einen nicht geringen Einfluss auf die technische Zusammenarbeit zwischen den Bahnen und den Konstrukteuren, wobei auch patentstrategische Fragen eine nicht geringe Rolle spielten und so vielleicht nicht immer die objektiv bessere Lösung in die angepasste europäische Kupplung ihren Eingang fand. |
| 1967 | Durchführung sog. 'Hunderterversuche' zwecks Auswahl der UIC-Variante für die weiteren Arbeiten |
| 1969 | Beginn der gemeinsamen Arbeit der Konstrukteure aus Bautzen/Delitzsch (Leitung:Deutsche Reichsbahn - Herr Schubert/Waggonbau Bautzen - Herr Dr. Seibt) und München (Leitung: Knorr-Bremse München - Herr Dr. Schelle) zur Anpassung der auf beiden Seiten bestehenden Lösungen. Dabei sollten die auf beiden Seiten bestehenden Patente eingebrachte und gegenseitig genutzt werden - wobei von einer ungefähren Gleichwichtigkeit der Patente beider Seiten ausgegangen wurde. |
| 1970 | Durchführung von Versuchen mit angepassten Kupplungen in Schweden und Russland mit Zugverbänden und in Schlauroth und Minden (BRD) auf Prüfanlagen. Die Versuche zeigten die Betriebsfähigkeit der technischen Lösungen und das Zusammenwirken der auf beiden Seiten z.T. unterschiedlichen Detaillösungen. |
| 1970 bis 1994 |
In den Folgejahren wurden die Arbeiten im wesentlichen auf die Vervollkommnung und weitere Vereinheitlichung von Bauteilen konzentriert. |
1994 |
Entsprechend einer Anfrage der Deutschen Bundesbahn wurde 1994 von BSI-Remscheid die C-AK (COMPACT-AUTOMATISCHE ZUG-DRUCK-KUPPLUNG) entwickelt und als Prototyp auf dem Prüfstand der BSI vorgestellt. |
| Es gibt eine neue Entwicklungsrichtung (ETR Nr. 4/2002): Die Entwicklung bei SAB WABCO Remscheid und jetzt bei Faiveley Transport wurde in den vergangenen Jahren weiter voran getrieben. Man scheint eine Lösung gefunden zu haben, die einen Einbau der Kupplung unabhängig von der Umrüstung des übrigen Wagenparks ermöglicht. Technisch gelang das dadurch, dass die Elemente, welche das vertikale Starrmachen der Kupplung realisieren jetzt mit oben, anstatt früher unter der Kupplung angeordnet wurden. Damit ist nun unter der Kupplung Platz vorhanden, um die notwendigen Elemente zum Verbinden mit der herkömmlichen Schraubkupplung dort anzuordnen. Die Seitenpuffer müssen allerdings so lange an den Wagen verbleiben, bis auch die Gegenwagen mit der neuen Kupplung ausgerüstet sind. Das Kuppeln mit der russischen SA3 Kupplung soll weiterhin gewährleistet werden. Sollte diese Lösung für den Eisenbahnbetrieb zugelassen werden, wäre damit der Weg frei, doch noch schrittweise eine automatische Kupplung in Europa einführen zu können. |